sich am Montag Morgen sogar die Sonne mal wieder. Dennoch ist es fuer die
Jahreszeit zu kalt.

Dank Nebensaison und Werktag bin ich so ziemlich alleine unterwegs.

Der Gipfel des Hausberges Herzogstand (1731m) ist noch wolkenverhuellt.

Auf der B11 fahre ich nordwaerts in Richtung Benediktbeuern und habe
diesen schoenen Ausblick auf den Kochelsee.

Zwischen dem (oberen) Walchensee und dem (unteren) Kochelsee wurde
von 1918 bis 1924 das Walchenseekraftwerk errichtet.

Ueber einen 1200 Meter langen Stollen fliesst das Wasser vom Walchensee
(802m) zum sogenannten „Wasserschloss“. Von dort aus stroemt das Wasser
durch die 400 Meter langen Druckrohre zu den acht Turbinen in der Maschinen-
halle. Ueber einen Auslaufkanal erreicht das Wasser dann den Kochelsee (599m).

Vor dem Maschinenhaus haben die Druckrohre einen Durchmesser von 1,85 Metern;
die Wandstaerke betraegt 27 Milimeter. Bis heute erfuellen die Rohre aus den 20er
Jahren die hohen technischen Anforderungen.

Ein eindrucksvoller Beweis fuer die Kompetenz und den Sachverstand der
Erbauer und Planer dieser Anlage. Wenn man bedenkt, dass gegenwaertig schon
Bauten und Anlagen aus den 80er Jahren saniert werden muessen, ist es erstaunlich
wie lange Anlagen und Bauwerke aus damaliger Zeit funktionsfaehig bleiben.
Billig ist nunmal nicht immer preiswert …

Im Maschinenhaus treibt das Wasser vier Francis-Turbinen (eine hier im Bild)
und vier Pelton Freistrahlturbinen an.

Ein (vermutlich ersetzter) Pelton Turbinensatz ist im Freigelaende ausgestellt.
Hier findet sich ein Bild von der Montage einer Pelton Freistrahlturbine:
http://de.academic.ru/pictures/dewiki/8 ... on_120.jpg" onclick="window.open(this.href);return false;

Eine Kathedrale der Energieerzeugung: Die vier Francis Maschinensaetze im
Vordergrund erzeugen in Spitzenzeiten rund 100.000 kVA Drehstrom fuer das
oeffentliche Netz. Die vier Pelton Maschinensaetze dahinter erzeugen ueblicher-
weise 64.000 kVA Einphasendrehstrom fuer den Zugbetrieb der Deutschen Bahn.
Obwohl in diesem Gebaeude somit gut 200.000 PS zu Hause sind, ist es erstaunlich
ruhig, so dass man sich sogar ohne zu Bruellen unterhalten kann …

Detailansicht eines 25.000 kVA Drehstromgenerators.

Auch der alte Portalkran an der Decke der Maschinenhalle ist eine Augenweide.
Man beachte die zulaessige Belastung von 75.000 kg an der Hakenflasche.

6,6 Kilovolt Generatorspannung werden in den Transformatoren auf 110 Kilovolt
Freileitungsspannung umgewandelt und ueber die Schaltanlage im Freigelaende
in die Freileitungen eingespeist.


Direkt neben dem Kraftwerk hat die E.ON Wasserkraft GmbH ein futuristisches,
aber gelungenes Informationszentrum mit Kantine errichtet. Dort wird auch für
Nicht-Fachleute die Anlage und deren Funktionsweise gut verstaendlich erklaert.

Der Verfasser dieser Zeilen mit dem Laufrad einer im Maschinenhaus ausgestellten
2.700 kw Kaplanturbine.

Zwischen Kraftwerk und Kochelsee steht dieses Wohngebaeude, welches seinerzeit
fuer die Kraftwerker errichtet wurde.

Ueber Kochel, Benediktbeuern, Bad Toelz und Lenggries fahre ich zum Sylvensteinsee.
Von der Staumauer blickt man talwaerts auf das gruene Wasser der Isar.

An der Ueferboeschung des Stausees koketiert der Herbst mit bunter
Farbenvielfalt.



Die anschliessende Fahrt ueber den Achenpass ist eher enttaeuschend.
Rund um den Tegernsee ist es mir viel zu voll mit „Schickeria“. Zuegig fahre
ich in Richtung Erding oestlich von Muenchen. Dort treffe ich mich mit einem
Oldtimerkollegen und wechsle das Fahrzeug.

Wir fahren etwas durch die Gegend und ich darf seine Fahrzeugsammlung
bewundern. Mit Einbruch der Daemmerung knurrt der Magen und wir geniessen
bayerische Gastlichkeit. Am fortgeschrittenen Abend verabschiede ich mich und
mache mich auf den Weg nach Muenchen-Ost. Dort besteige ich den Autozug
nach Hamburg.
Das war sie also, meine diesjaehrige Herbsttour.
Ich hoffe die Berichte haben Euch gefallen, auch wenn sie ein wenig
„Altmetall lastig“ waren …
Viele Gruesse von der Kueste, Peter
